Gründungszuschuss – Meine Erfahrungen

Gründungszuschuss

Nemo / Pixabay

Ich möchte gerne in diesem Artikel beschreiben, wie ich den Gründungszuschuss beim Arbeitsamt beantragt habe und was mir dabei so alles an Steinen in den Weg gelegt wurde. Ich habe bereits in der Antragsphase einige Eigenschaften an den Tag legen müssen, die für einen Unternehmer schon als Grundvorraussetzungen vorhanden sein sollten. Also meiner Meinung nach eine sehr gute Trainingsphase!

Ob ich den Gründungszuschuss nun bekommen habe und was mir bis zur endgültigen Beurteilung alles wiederfahren ist, möchte ich nachfolgend schildern. (Vorsicht: Langer Text!)

Meine Ausgangssituation

Ich bin ja, wie den meisten mittlerweile bekannt ist Mutter von zwei wunderbaren Jungs, die aber auch viel Zeit und Energie einfordern, daher habe ich immer nur Teilzeit gearbeitet, da mein Lebensgefährte Vollzeit beschäftigt ist. Das hat immer ganz gut geklappt, aber da er immer im Schichtdienst war, habe ich immer von Woche zu Woche unterschiedliche Arbeitszeiten gehabt, da musste immer ein bisschen jongliert werden. Nun wurde meine Stelle aus betriebsinternen Gründen zum 30. April gekündigt. Da ich im Bereich Internetmarketing und Erstellung von Webseiten immer noch in den Abendstunden etwas gemacht habe, stand für mich eigentlich ziemlich schnell fest, dass ich probieren möchte mit diesem Segment den Schritt in die komplette Selbstständigkeit zu wagen.

Die Grundvorraussetzungen für einen Gründungszuschuss

Als Erstes, direkt nachdem man erfahren hat, dass man arbeitslos wird, muss man sich innerhalb von 3 Tagen beim Arbeitsamt melden, und bekommt dann einen Termin mitgeteilt, an dem man mit seinem persönlichen Berater ein Beratungsgespräch führen darf. Man bekommt einen risigen Wust an Papieren und kann dort auch schon in den Informationen für den Berater angeben, dass man sich für einen Selbstständigkeit interessiert. Ich bin natürlich davon ausgegangen, dass meine Beraterin sich das Protokoll auch vor dem Gespräch durchliest, aber dazu gleich mehr.

Es gibt gewisse Grundvorraussetzungen die erfüllt sein müssen, damit man Anspruch auf einen Gründungszuschuss hat:

  • Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit mit mindestens 15 Wochenstunden, welche die Arbeitsolsigkeit beendet
  • Bei Aufnahme der Selbstständigkeit einen Restanspruch von 150 Tagen auf das Arbeitslosengeld
  • Die Existenzgründung muss tragfähig sein
  • Man muss seine fachliche Qualifikation für den Tätigkeitsbereich nachweisen

Diese Informationen kann man sich schnell selber im Internet zusammensuchen, dafür braucht man noch nicht die Arbeitsagentur.

Da ich bereits Mitte März meine Kündigung zum 30.04. erhalten habe, allerdings nur einen Anspruch von einem halben Jahr Arbeitslosengeld hatte, musste ich mich zwischen dem 2. Mai und dem 30. Mai selbstständig machen. Der 2. Mai, da man mindestens einen Tag arbeitslos sein muss, um den Anspruch zu haben.

Der erste Kontakt mit dem Arbeitsamt

Das heisst für mich, dass ich bis spätestens zum 30. Mai mein Gewerbe anmelden muss, und da das Arbeitsamt ja auch noch eine gewisse Bearbeitungszeit benötigt, ist jeder frühere Abgabetermin besser. Allerdings wunderte ich mich doch sehr, als ich dann die erste Einladung für mein Gespräche zum 15. Juni erhalten habe. Autsch, das ist ja viel zu spät, da man den Antrag auf Gründungszuschuss ja nur von dem Arbeitsvermittler persönlich bekommt, musste ich also vorher einen Termin haben, sonst hätte ich alles wieder vergessen könen. Bei unserem Arbeitsamt kann man leider nicht direkt bei dem entsprechenden Berater anrufen, daher habe ich dann in dem Callcenter angerufen und mit sehr viel Glück habe ich dann einen kurzfristigen Termin bekommen, weil gerade jemand bei meiner Beraterin abgesprungen war. So lag mein erster Termin bei Ende März, was mir prima in die Planung passte.

Natürlich war die Dame beim Arbeitsamt dann sehr bemüht für mich eine angemessene Stelle zu finden, in Ihren Augen wäre das eine Volzeitstelle in einem Callcenter gewesen. Dabei hatte ich direkt zu Beginn des Gespräches darauf hingewiesen, dass ich den Weg in die Selbstständigkeit wählen möchte. Das wurde aber mehrfach einfach übergangen, bis ich ein bisschen nachdrücklicher darauf hingewiesen habe, dass ich zum eine wegen meiner 2 Kinder keine Vollzeitstelle annehmen kann und zum anderen WIRKLICH auf selbstständiger Basis arbeiten möchte. Von den dann geäußerten Bedenken möchte ich hier die zwei absoluten Highlights zitieren:

  • “Haben Sie keine Angst, dass Ihre Kinder verarmen?”
  • “Sie wissen schon, dass Sie keinen Anspruch auf Rente haben, wenn Sie sich selbstständig machen?”

Das war doch der Hammer! Ich weiss zwar nicht, mit welchen Vorstellungen andere Personen sich selbstständig machen, ich für meinen Teil würde sehr gerne Geld damit verdienen. So muss ich mir dann auch keine Sorgen um eine Verarmung meiner Kinder machen, vor allem da mein Lebensgefährte eine Festanstellung hat, was die Dame sehr wohl wusste. Und zum Thema Rente kann ich nur sagen, dass ich mit der Rente sowieso nicht rechne, da bis dahin noch mehr als 30 Jahre Zeit ist, und wer bekommt dann noch wirklich Rente? Daher ist private Vorsorge sowieso wichtig, egal ob angestellt oder selbstständig.

Zweifel und Familienrückhalt

Nach diesem Gespräch, allerdings mit den Antragsunterlagen zum Gründungszuschuss im Gepäck bin ich dann relativ desillusioniert nach Hause gefahren. Ich habe dann zwar begonnen, verschiedene Dinge die ich für den Gründungszuschuss brauche anzufangen und zu terminieren, allerdings war ich nur noch halbherzig dabei. Da die Dame vom Arbeitsamt mir mitteilte, dass ich ja so gut wie keine Chance auf den Gründungszuschuss habe und Sie das wahrschinlich auch nicht befürworten kann, habe ich nicht wirklich einen Sinn in der Beantragung gesehen und darüber dann mit meinem Lebensgefährten gesprochen.
Der meinte dann nur zu mir: “Willst du nun selbstständig sein oder lieber wieder angestellt? Dann kämpf doch dafür und zeig der, was du kannst!”

Er hatte natürlich Recht, sollte ich mich von einer Arbeitsamtangestellten aus meinem Konzept bringen lassen? Ich wollte das und wenn ich den Gründungszuschuss bekomme, super, aber wenn nicht will ich auch selbstständig sein. Also habe ich mir vorgenommen mustergültige Unterlagen einzureichen, wo niemand mehr nein sagen kann.

Eine Portion Glück gehört auch dazu

Da ich mit meiner Beraterin beim Arbeitsamt so unglücklich war, kam mir ein paar Tage nach meinem Termin das Glück zu Hilfe. Aus welchen Gründen weiss ich nicht, aber ich bin an einen anderen Mitarbeiter weitergereicht worden. Der saß zwar nochmal 30 km weiter in einem anderen Arbeitsamt, allerdings konnte ich diesen immer persönlich erreichen und habe auch sehr kurzfristig einen Termien bekommen. Ich musste dann zwar alles nochmal schildern, allerdings saß diesmal jemand vor mir der mit den Begriffen Internet etc. etwas anfangen konnte.

Ich habe einen ersten Entwurf meines Businessplanes mitgenommen, den der Sachbearbeiter dann mit mir durchgegangen ist und mir gute Tipps gegeben hat, also eher konstruktive Hilfe als das vorher bekannte runtermachen.

Bürokratie muss sein

Diesmal ging ich natürlich wesentlich motivierter aus dem Gespräch, wusste aber, dass ich jetzt perfekte Unterlagen einreichen musste, dazu im folgenden eine detaillierte Aufstellung:

  • Businessplan incl. Liquiditätsplanung (In meinem Fall waren das fast 45 Seiten)
  • Bestätigung der Tragfähigkeit einer fachkundigen Stelle (Ich habe die Wirtschaftsförderung genutzt, diese Beratung war kostenlos und sehr hilfreich)
  • Nachweis über den Besuch eines Existenzgründungsseminars (3 Tägiges Seminar, in meinem Fall eine absolute Kundenfundgrube)
  • Nachweis der fachlichen Eignung (Da ich Quereinsteiger bisn und mir alles was ich kann selber beigebracht habe, war dieser Teil fast der Schwierigste. Hierbei haben mir einige meiner bisherigen Firmen und Kundenkontakte sehr weitergeholfen, die mir Referenzschreiben zur Verfügung gestellt habe. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön!)

Gründungszuschuss erhalten

Nachdem ich alle Unterlagen eingereicht habe, ließ man mich natürlich noch ein bisschen zappeln, aber letztendlich wurde meinem Antrag stattgegeben. Somit konnte ich mich im Onlinemarketing mit Hilfe des Arbeitsamtes selbstständig machen, womit ich zu Beginn der ganzen Prozedur nicht wirklich gerechnet hatte.

Mein persönliches Fazit zum Gründungszuschuss

Der Grünungszuschuss ist natürlich eine tolle Sache, wenn man sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen möchte. Ich habe festgestellt, dass man schon in der Phase der Antragsstellung und beim Zusammentragen der einzelnen Anforderungen viele Eigenschaften mitbringen sollte, die für einen Unternehmer immens wichtig sind:

  • Hartnäckigkeit
  • Unterstützung der Familie
  • Vision von der eigenen Geschäftsidee
  • Überzeugungskraft
  • Durchhaltewillen

Ich kann jedem, der arbeitslos geworden ist und sich selbstständig machen möchte nur empfehlen diesen Weg zu gehen. Auch wenn man keinen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss mehr hat, kann man mit der richtigen Vorbereitung ein schönes Startkapital für die Anfangsphase bekommen.

Ein Kommentar

  1. Franziska sagt:

    Danke für diesen Bericht!!!

    Ich eröffne in ein paar Wochen mein eigenes Café und dachte dass die Unverschämtheit meiner Arbeitsagentur-”Beraterin” nicht mehr wirklich zu toppen sei.
    Die Bemerkung bezüglich ihrer “verarmten Kinder” ist allerdings die Spitze des Ganzen.

    Gut, wir beide haben es geschafft und ich hoffe dass durch Ihren Text ein oder zwei Leute mit einem besseren Gefühl aus dem Gebäude der Arbeitsagentur gehen.
    Die Desillusionierung ist so gewollt. Je eher man die Agentur ausschließlich als Dienstleister betrachtet umso besser.
    Sie dürfen niemals als realer Gutachter für die eigene Karriere dienen.
    Dafür sind die Berater weder ausgebildet, noch interessiert daran.

    Alles wie oben beschrieben korrekt abliefern, rausgehen und sich irgendwo ein schönes Stück Kuchen gönnen um das fiese Gefühl loszuwerden.

    Uns allen viel Glück!!!!

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